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2023: Interkulturelles – SOMMERTANZ


Horváth Gipsy Band – Szombathely/Steinamanger

Pulyai Magyar Kórus – Oberpullendorf/Felsőpulya

Stinjačko Kolo – Stinjaki/Stinatz

Volkstanzgruppe Deutschkreutz

Begrüßung und Moderation: Katarina Mesner-Kinda

Die Horváth Gipsy Band aus Szombathely/Steinamanger spielt traditionelle Romamusik, wie sie früher im Burgenland üblich war.

Die Pulyai Magyar Kórus, der generationsübergreifende Chor des Mittelburgenländisch Ungarischen Kulturvereines aus Oberpullendorf/Felsőpulya wird traditionelle ungarische Lieder darbieten  als Vorgeschmack auf das 20-jährige Bestandsjubiläum des Vereines im September.

Die Volkstanzgruppe Stinjačko Kolo ist seit 1977 fixer Bestandteil des kulturellen Lebens in Stinatz und im ganzen Burgenland.

Der Verein für Volkskultur in Deutschkreutz hat die Pflege, Erhaltung und Wiederbelebung der regionalen Volkskultur zum Ziel. Den Kern des Vereins bildet die Volkstanzgruppe. Mit verschiedenen Aktivitäten, sollen die besondere Bedeutung und der unschätzbare Wert der Volkskultur aufgezeigt werden, um in der Bevölkerung Begeisterung und Wertschätzung für diese zu steigern und zu festigen.

SOMMERTANZ / LJETNI TANAC / NYÁRI TÁNC / LINAJENGERO KHELIPE

DIE HEANZEN

Ein wichtiger Teil der Geschichte unserer gemeinsamen Region sind die Heanzen. Sie sind die Vorfahren der heutigen deutschsprachigen Mehrheitsbevölkerung des mittleren und südlichen Burgenlandes. Wir kennen alle den Begriff, viele wissen, dass es in Oberschützen einen Heanzenverein gibt, der sich bemüht die sprachlichen und kulturellen Besonderheiten zu dokumentieren und zu erhalten. Als Teile Westungarns zu Österreich gekommen sind, stand als Name für dieses neue österreichische Bundesland auch „Heinzenland“ zur Diskussion. Aber wer sind denn diese Heanzen? Als Hianzn oder Heanzn wurden die deutschsprachigen Bewohner Westungarns bezeichnet, die im Mittelalter das Land besiedelten und seit dem 11.Jahrhundert, an die babenbergischen und steirischen Ländereien angeschlossen, ein geschlossenes Gebiet Westungarns zwischen Donau und Raab bevölkerten. Es waren Bauernfamilien, die aus Bayer und anderen deutschen Gebieten in das heutige Mittel- und Südburgenland eingewandert sind. Das besondere an Ihnen war ihr Dialekt.

HERKUNFT DES NAMENS

Die Expertinnen und Experten sind sich bezüglich der Herkunft des Namens ist nicht ganz einig. Er wird einerseits als Spottname für eine Gruppe Deutschsprachiger wegen ihrer auffälligen Aussprache für das Wort jetzt hianz statt des üblichen bairischen hiaz (= „jetzt“) gesehen.

Andere wieder vertreten die Theorie es sei eine Herleitung vom gebräuchlichen Vornamen Heinz, oder von „Heinrichs Gefolgsleuten“ (von Herzog Heinrich II.), von den Güssinger Grafen Heinrich bzw. Henz oder von Kaiser Heinrich IV., in dessen Regierungszeit die ersten deutschen Siedler ins Land gekommen sein sollen.

Der Ausdruck „hianzisch“ bezeichnet eine gesprochene Mundart des südlichen und mittleren Burgenlandes. Es gibt viele Menschen, die prinzipiell der Meinung sind, dass sich manche Dinge in der Mundart einfacher und klarer ausdrücken lassen. Das gilt natürlich auch für das hianzische: „Umara zwöfi“ bedeutet auf Hochdeutsch „so ungefähr gegen Mittag herum, nicht pünktlich“, während „um zwöfi“ soviel bedeutet wie „pünktlich um 12.00 Uhr“.

VERSCHRIFTLICHUNG DES HIANZISCHEN

Unsere Region war jahrhundertelang Teil von Ungarn, damals wurde an den Schulen kein Deutsch gelehrt. So wurde und wird auch hianzisch wenig geschrieben. Die hianzische Sprache wird zu den ui Mundarten gerechnet. Der ui-Laut dominiert dort wo in anderen Dialekten ua-(Muater) oder uo (Mouter). Beispiele für den ui-Laut: gut wird zu guit, Mutter zu Muida, Schuhe zu Schui, Ruhe zu Ruih, Hut zu Huid, etc. Sie blieben nicht die einzigen Deutschsprechenden. Kaiserin Maria Theresia lud deutschfränkische, schwäbische sowie kroatische Bauern ein, das u.a. auch durch die ungarischen Befreiungskriege sehr dünn besiedelte Land zu besiedeln.  Als Folge dieser Siedlungspolitik finden sich heute nicht nur verschiedene Sprachgruppen sondern auch katholische und evangelische Siedlungen friedlich zusammenlebend.

VERBREITUNG

Heute spricht die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung im Burgenland deutsch. Der Dialekt als Umgangssprache spielt nach wie vor eine große Rolle. Es gibt sehr gut dokumentierte Dialekte in den einzelnen Gemeinden. Freilich hat sich der Dialekt im Laufe der Jahrhunderte verändert. Er wurde von der benachbarten nicht-deutschsprachigen Bevölkerung beeinflusst, genauso, wie deutsche Einflüsse in allen Sprachen der Region verankert sind. Mehr Durchlässigkeit zwischen Stadt- und Land, größere Migrationskreise bei der Partnerinnen- und Partnerwahl, die immer mehr verbreitete deutsche Schriftsprache, nicht zuletzt die Medien haben auf die Dialekte eingewirkt. Statt des Hianzischen sprechen viele unserer Kinder ein RTL deutsch. Es liegt auch an uns, ihnen den Dialekt näherzubringen und ein bisschen was Hianzisches im Burgenland lebendig zu halten.

BURGENLÄNDISCHE KROATINNEN UND KROATEN

Zu Beginn des 16. Jh. fanden kroatische Familien, auf der Flucht vor türkischen Truppen, Aufnahme durch adelige Grundherren in Westungarn, der Südwestslowakei und im südöstlichen Niederösterreich. Die etwa 25.000-30.000 im Gebiet des heutigen Burgenlandes angesiedelten Kroatinnen und Kroaten machten ca. 30 % der ansässigen Bevölkerung aus. Mehrheitlich stammten sie aus Bauernfamilien, es waren aber auch Priester, Handwerker, Händler und Kleinadelige unter ihnen. Ihre Umgangssprache war nicht einheitlich und bestand aus den čakavischen, kajkavischen und štokavischen Dialekten des Kroatischen

In den nächsten Jahrzehnten wurden in diesem Gebiet gezielt kroatische Bauern bzw. Bauernfamilien angesiedelt. Sie sollten in den von Grenzkriegen und Krankheiten verwüsteten und entvölkerten Regionen nord- und südöstlich der kaiserlichen Reichshauptstadt Wien wieder eine funktionierende ländliche Infrastruktur aufbauen.

SIEDLUNGSGEBIET

Heute leben in der Region etwa 60.000 Personen mit kroatischen Sprachkenntnissen, die Mehrzahl von ihnen im Burgenland (ca. 35.000) und in Wien (ca. 15.000). Damit sind die Burgenländischen Kroaten die zahlenmäßig größte anerkannte Volksgruppe in Österreich. Ein Teil der Volksgruppe lebt aber auch in einigen Gemeinden in Westungarn und der Slowakei, direkt an der Grenze zu Österreich. Sie kamen 1921 nicht mit dem neu entstandenen Burgenland zu Österreich. Die Mährischen Kroaten in Tschechien gelten als nördlichster Zweig der Volksgruppe.

STAATSGRENZEN

Trotz der Trennung durch Staatsgrenzen, lange Zeit auch durch den Eisernen Vorhang, sind viele Gemeinsamkeiten und Kontakte erhalten geblieben. Die Burgenländischen Kroaten diesseits und jenseits der Grenze sprechen dieselben kroatischen Dialekte und teilen ein gemeinsames kulturelles Erbe. Durch die Grenzöffnung 1989 und den EU-Beitritt der Slowakei, Tschechiens und Ungarns im Jahr 2004 ergaben sich für die Kroaten viele neue Chancen und Perspektiven für die Zusammenarbeit. Auch der EU-Beitritt Kroatiens 2013 gab dieser Entwicklung neuen Auftrieb und eröffnete neue Perspektiven.

STADT – LAND

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der verstärkte Zuzug der Burgenländischen Kroaten nach Wien. Viele zogen aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen in die Hauptstadt, oder kamen der Ausbildung wegen nach Wien. Heute leben fast 15.000 Burgenländische Kroaten in Wien, viele davon sind Wochenpendler, und dazu kommen noch zahlreiche Tagespendler aus den kroatischen Orten des Burgenlandes. Die ersten kroatischen Zeugnisse in Wien sind freilich viel älter und gehen auf das Ende des 16. bzw. den Beginn des 17. Jahrhunderts zurück (Krowotendörfel am heutigen Spittelberg). Ein großer Teil der Kroaten wollte die kroatische Sprache und Kultur auch in Wien weiter pflegen und so die Verbindungen zum Burgenland bzw.in ihre Heimatorte wahren. So schufen die Kroaten in Wien bereits ab den 1920-er Jahren eigene Strukturen, um die kulturelle, sprachliche und soziale Entwicklung zu fördern. Damit sollte ein Brückenschlag vom Dorf zur Stadt und die Urbanisierung von Traditionellem in Verbindung mit Neuem geschaffen und so zugleich die Integration in das urbane Umfeld ermöglicht werden.

STAATSVERTRAG

Im Jahre 1955 wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet, der im Artikel 7 die wichtigsten Volksgruppenschutzbestimmungen für die Burgenländischen Kroaten beinhaltet.  Im Jahre 1976 wurde im österreichischen Parlament das Volksgruppengesetz beschlossen, welches die Bestimmungen des Artikel 7 eher zurückhaltend auslegt.

IDENTITÄT UND FÖRDERUNG

Mitte der 70er Jahre setzte sich bei den Burgenländischen Kroaten ein stärkeres Selbstbewusstsein durch und man verwarf die Politik des Abwartens und forderte die zugesprochenen Volksgruppenrechte vehement ein. Dadurch konnte man auch erste Erfolge verzeichnen. 1979 wurden kroatische Hörfunksendungen eingeführt und zehn Jahre später, 1989 wurden erstmals kroatische TV-Sendungen ausgestrahlt. Im Kindergartengesetz aus dem Jahre 1989 wurde erstmals die kroatische Erziehungssprache, wenn auch in geringem Maße, berücksichtigt. Im September 1992 wurde das Volksgruppengymnasium in Oberwart/Borta eröffnet.

Die im Staatsvertrag des Jahres 1955 festgeschriebene Bestimmung, zweisprachige Ortstafeln aufzustellen, wurden im Burgenland im Jahr 2000 umgesetzt. Der „Kroatische Kulturverein im Burgenland“ das „Kroatische Kultur- und Dokumentationszentrum, das Kultur- und Veranstaltungszentrum KUGA, das „Kroatische Zentrum“ in Wien u. vielen andere. vertreten die kulturellen und politischen Angelegenheiten der Volksgruppe und bemühen sich – jede Organisation auf ihre Weise – den Prozess der Assimilation, des Identitäts- und des Spachverlustes so gut wie möglich zu verlangsamen.

DIE BURGENLÄNDISCHEN UNGARN

Seit über 1.000 Jahren leben hier Ungarn. Einst waren nur sie vertreten, heute stellen sie die Minderheit dar. Auch vom Mutterland gerieten sie fast in Vergessenheit. Im letzten Jahrtausend waren sie immer auf sich allein gestellt.

Die ersten Ungarn (nach der verlorenen Schlacht vom Lechfeld im Jahr 955) wurden hier als Grenzwächter, als „spiculatores“ des ungarischen Königreiches in der Arpadenzeit angesiedelt. Für diese Dienste wurden die Bewohner der Grenzwächtersiedlungen in den Stand der Kleinadeligen erhoben und waren von allen Abgaben und Steuern befreit. Die Ortsnamen bewahrten die Bezeichnungen der Aufgabenbereiche in ihrem Namen bis zum heutigen Tag: Oberwart, Unterwart, Siget in der Wart, Oberschützen … Ab dem 13. Jahrhundert änderte sich stets die Zusammensetzung der Bevölkerung. Das Grenzwächtersystem wurde durch eine Kette von Burgen ersetzt. In Begleitung der Burgherren wurden viele deutsche Siedler in diesem Gebiet ansässig. Auch zahlreiche Kroaten siedelten sich während der Türkenbelagerung hier an.

RELIGION

Während der Reformationszeit wurden weite Teile der Bevölkerung Westungarns protestantisch. Als zu Beginn des 17. Jahrhunderts die adelige Grundherrenfamilie Batthyány wieder zum Katholizismus zurückkehrte, setzte auch in diesem Gebiet die Gegenreformation voll ein. Die kleinadeligen Bewohner der Grenzwächtersiedlungen konnten sich diesem Druck entziehen und blieben zum Teil protestantisch. Nach der Beilegung der Glaubenskämpfe wurde den Protestanten das Recht auf eigene Kirchen zugesprochen und Oberwart wurde zu einem Zentrum des westungarischen Kalvinismus. Dadurch entstand jene außergewöhnliche Situation, dass die Bewohner der drei ungarischsprachigen Nachbarorte des Südburgenlandes verschiedenen Religionsgemeinschaften angehören. Die Bewohner von Unterwart/Alsóőr sind Katholiken, die Bewohner von Siget in der Wart/Őrisziget sind Lutheraner und in Oberwart/Felsőőr finden wir die einzige kalvinistische Gemeinde Ostösterreichs außerhalb von Wien.

SOZIALSTRUKTUR

Durch die wirtschaftliche Entwicklung seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert kam es zu einer bedeutenden Veränderung der Sozialstruktur der ungarischen Sprachgruppe auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes. Die kleinadeligen Kleinbauern mussten immer stärker auf gewerblichen Nebenerwerb ausweichen, sodass sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Wein-, Holz- und Viehhändler sowie Gerber, Tuchmacher, Schuster und Töpferbetriebe in den Dörfern etablierten. Weiters kam es zur Errichtung zahlreicher Meierhöfe, ungarisch »Puszta« genannt, die mit Lohnknechten, den so genannten »Béres« aus Innerungarn besiedelt wurden. Besonders im Gebiet rund um den Neusiedlersee gab es viele solche Meierhofsiedlungen mit ungarischsprachigen Lohnknechten, wie etwa die Siedlungen Neuhof, Zeiselhof, Erdeihof, Paulhof, Mexikopuszta, Albertpuszta, Friedrichshof.

Die ungarischen Orte verloren jedoch die Verbindung zum Mutterland, so entwickelten sich Sprachinseln. Das trug zwar zur Erhaltung der Sprache bei, führte jedoch zur zunehmenden Isolierung. Die Assimilation prägte die letzten Jahrhunderte, so dass bei der Volkszählung im Jahre 1910 der Anteil der ungarischen Bevölkerung nur mehr 9 % betrug.

WESTUNGARN KOMMT ZU ÖSTERREICH

Seit 1921 gehört das Burgenland zu Österreich. Bis zum Jahre 1938 konnten sich die Minderheiten ihre Identität bewahren. Nach der deutschen Besatzung wurden die Schulen verstaatlicht, die Unterrichtssprache Ungarisch wurde eingestellt. Während des 2. Weltkrieges fielen zahlreiche burgenländische Ungarn. Während der Volkszählung im Jahre 1934 lebten hier 10.442 Ungarn, diese Zahl reduzierte sich bis zum Jahre 1951 auf 5.251. Dies bedeutet einen Anteil von 1,9 %, welcher bis heute mit kleinen Schwankungen konstant blieb.

Die Nachkriegszeit brachte für die Burgenländer und somit auch für die burgenländischen Ungarn eine stetige Besserung der Lebensqualität. Andererseits erfolgte durch die Machtübernahme der Kommunisten in Ungarn und der dadurch verbundenen Entstehung des „Eisernen Vorhanges“ eine Grenzsperre. Der Faden zwischen Verwandten und Freunden wurde durchtrennt.

Zu Beginn der Zweiten Republik war die ungarische Sprachgruppe weitgehend auf die Bewohner der Sprachinseln des Mittel- und Südburgenlandes zusammengeschmolzen. Die Rechte der slowenischen und kroatischen Minderheit wurden im Staatsvertrag von 1955 neu geregelt, nicht genannt waren aber die ungarische und tschechische Minderheit. Erst im Jahre 1976 wurde auch die ungarische Minderheit als Volksgruppe anerkannt. Das Volksgruppengesetz sah die Einrichtung von Volksgruppenbeiräten beim Bundeskanzleramt vor. Die Beiräte haben kein Mitspracherecht sondern lediglich eine Beraterfunktion. 1979 beschickte der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein mit 4 Mitgliedern den Volksgruppenbeirat im Bundeskanzleramt. Durch die Anerkennung der in Wien lebenden Ungarn als Volksgruppe wurde die Ausweitung der Vertreter des Volksgruppenbeirates auf 16 Mitglieder erforderlich.

Im Jahre 1984 wurde im Regionalprogramm die erste ungarische Radiosendung „Magyarul Burgenlandban“ ausgestrahlt. Inzwischen gibt es einige ungarische Radiosendungen:

Seit 1989 gibt es halbstündige Fernsehsendungen mit dem Titel „Adj´Isten Magyarok“. Diese Sendung wird jeden 2. Sonntag in den ungeraden Monaten von 13.05 bis 13.30 Uhr im ORF 2 ausgestrahlt. Die sechssprachige Volksgruppensendung „WIR“ wird seit 2022 alle 2 Wochen von 8.45 bis 9:15 Uhr auf ORF 3 ausgestrahlt. QUELLE: www.bukv.at

ROMA IN ÖSTERREICH

Roma und Sinti gelten mit etwa zwölf Millionen Angehörigen, die über ganz Europa leben, als größte ethnische Minderheit Europas. In Österreich beträgt die Gesamtzahl der Roma laut Schätzung des Grazer „Romani-Projekts“ um die 50.000. Die Kerngruppe bilden hier die sog. Burgenland-Roma, die ihren Anteil an der Bevölkerung auf 2.500 bis 5.000 Personen beziffern. Größere Ansiedlungen findet man in Oberwart und in den umliegenden Gemeinden, einige leben auch im Mittel- und Nordburgenland oder haben sich im Großraum Wien oder anderen Städten niedergelassen. Kleinere Gruppen von Sinti und Roma leben auch in Oberösterreich, Kärnten sowie vereinzelt in Salzburg und Tirol. Mit der sogenannten Gastarbeitermigration der 1960er Jahre, dem Flüchtlingsstrom der Balkankriege in den 1990er Jahren und der EU-Erweiterung in den 2000er Jahren haben in Österreich viele weitere Roma eine Heimat gefunden. Ihre durch slawische oder rumänische Einflüsse geprägte Sprache unterscheidet sich stark von der durch ungarische Einflüsse geprägten Sprache der Burgenland-Roma oder den Sinti-Dialekten Westösterreichs.

DAUERHAFTE ANSIEDLUNG

Roma und Sinti galten viele Jahrhunderte hindurch als Nomaden, ohne Mutternation und ohne feste Bindung zu einem bestimmten Territorium. Bei der Verabschiedung des österreichischen Volksgruppengesetzes 1976 wurde ihnen aus diesem Grund auch die offizielle Anerkennung als Volksgruppe verwehrt. Tatsächlich handelt es sich bei den Roma und Sinti um eine aus Indien stammende Bevölkerungsgruppe, die seit tausend Jahren in Europa beheimatet ist. Im 14. Jahrhundert gelangten Roma-Gruppen aus dem byzantinischen Raum nach Mitteleuropa. Die angeblich „angeborene Wanderlust“ der Roma ist wirtschaftlich bedingt und folgt meist festen Routen und saisonalen Gepflogenheiten. Manche Gruppen, wie die Burgenland-Roma, leben schon seit Jahrhunderten sesshaft: Ein Schutzbrief, den Graf Christoph Batthyány 1674 für eine Gruppe von Roma ausstellte, dokumentiert die dauerhafte Ansiedelung im heutigen Burgenland.

VÖLKERMORD

Vor dem „Anschluss“ im März 1938 lebten in Österreich 11.000 Roma und Sinti, die meisten im Burgenland. Von den ca. 7.000 bis 8.000 Burgenland-Roma, die auch schon in der Zwischenkriegszeit diskriminiert wurden („Zigeunererhebung“), überlebten nur wenige die NS-Zeit, wobei die „Denkschrift des Landeshauptmanns für das Burgenland Dr. Portschy“ vom August 1938 eine wesentliche Rolle spielte. Dieser Denkschrift zufolge wurden die Burgenland-Roma von den Nazis als besonders zu verfolgende „Mischlinge“ eingestuft. Rund 90% fielen dem NS-Genozid zum Opfer, vor allem auch die Großelterngeneration, die kulturtragende und kulturtradierende Gruppe innerhalb jeder Minderheit. Die wenigen Überlebenden (im gesamten Burgenland nur ein paar hundert Personen) standen nach ihrer Befreiung vor dem Nichts: Die rund 120 Roma-Siedlungen mit bis zu 300 Einwohnern im Burgenland waren dem Erdboden gleichgemacht, das wenige Eigentum war verschwunden. Zum materiellen Verlust kam die fehlende Akzeptanz und auch die Stigmatisierung und Diskriminierung hörte mit Kriegsende keineswegs auf. Den Überlebenden wurde fast keine Unterstützung gewährt. Eine Möglichkeit, aus der sozialen Isolation auszubrechen, bot sich den Burgenland-Roma in größerem Rahmen erstmals während der wirtschaftlichen Hochkonjunktur der 60er und 70er Jahre. Bei denjenigen, die in dieser Zeit den sozialen Aufstieg schafften, stieg auch das Selbstwertgefühl: Rom sein heißt nicht länger nur Armut und Ausweglosigkeit.

ANFANG DES ROMA-AKTIVISMUS

Ein Gaststättenverbot, konkret ein Zugangsverbot für junge Roma in einer Diskothek, war im Jahr 1989 auslösendes Moment für die Gründung des Vereins Roma in Oberwart, was binnen kurzer Zeit auch zur Gründung einer öffentlich finanzierten Beratungsstelle für Roma geführt hat. Eine Lernbetreuungsgruppe für Roma-Kinder, Arbeitstraining für junge Roma und Hilfestellung und Beratung in diversen Angelegenheiten, wurde ins Leben gerufen. Anfang der 90er Jahre wurden weitere Organisationen gegründet: der Kulturverein österreichischer Roma in Wien, dessen Vorsitzender bis zu seinem Tod Prof. Rudolf Sarközi war; das Romano Centro in Wien und ein Sinti-Verein in Kärnten. Im Laufe der Zeit kamen weitere Vereine hinzu, von denen einige heute jedoch nicht mehr existieren.

ANERKENNUNG ALS VOLKSGRUPPE

Durch die politischen, kulturellen und sozialen Aktivitäten der Roma-Organisationen ist auch das Selbstwertgefühl innerhalb der Gruppe gestiegen. Einen gewissen Anteil daran hat die offizielle Anerkennung der Roma als österreichische Volksgruppe: Mit dem einstimmigen Beschluss im Hauptausschuss des Nationalrates vom 16.12.1993 wurden die autochthonen (historisch hier ansässigen) österreichischen Roma- und Sinti-Gruppen als „Volksgruppe der Roma“ („Roma“ als Oberbegriff) anerkannt. Der Beschluss trat am 23.12.1993 in Kraft. Federführend waren hier die beiden Roma-Aktivisten Prof. Rudolf Sarközi und Emmerich Gärtner-Horvath. Jedoch beobachteten vor allem ältere Roma das selbstbewusste Auftreten der Volksgruppe mit Besorgnis. Als 1995 vier Männer aus der Oberwarter Roma-Siedlung bei einem Bombenattentat ums Leben kamen, schienen sich ihre Ängste zu bestätigen. Die Morde brachten die Ausgrenzung der Roma aber erstmals ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit. Seither hat sich die Lage in vielfacher Hinsicht verbessert. Jedoch ist das Ziel noch nicht erreicht und deshalb muss die Arbeit stets weitergeführt werden, damit Minderheiten einen festen Platz in der Gesellschaft bekommen.

 


 

 


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