KUGA-EIGENPRODUKTION: Szenische Lesung mit Musik HANNA I KÄTHE

Zwei Burgenlandkroatinnen im Widerstand
Projektleitung: Joško Vlasich und Peter Wagner
„Das ist nicht zu vergessen, das kann ich nie vergessen. Ich kann es nicht. Wenn du die Augen schließt und einschläfst, bis du schon im Lager. Das ist eine der schwersten Bürden, die man mitzutragen hat. Laufen … helfen … alleine laufen … ach furchtbar war das. Ich kann mein Buch nicht mehr lesen, ich sitze da und lese…das ist mein Leben, und das ist für mich jetzt schrecklich. Jetzt, wenn ich jetzt lese, wie mein Leben war, nicht damals, als ich es gelebt habe – damals hatte ich keine Zeit nachzudenken. Erst gestern habe ich mir gesagt, da, dort ist mein Buch, aber ich lasse es. Denn wenn ich das Buch lese, dann ist mir das Lager so nahe, dass ich die ganzen Nächte nicht mehr als eine bis zwei Stunden schlafe. Und das ist das Schlimmste von allem … und dafür gibt es kein Heilmittel. Kein Heilmittel.“
(Auszug aus dem Interview mit Hanna Sturm“
Auch im Burgenland gab es, bescheiden aber doch, politischen Widerstand gegen das Nazi-Regime. An vorderster Front fanden sich dabei zwei Burgenlandkroatinnen, die ihren Kampf gegen den Terror der Nationalsozialisten nicht nur mit unerschütterlich zähem Engagement führten, sondern auch mit Gefängnis, Folter und einem brutalen Überlebenskampf im Konzentrationslager bezahlten.
Während die ältere der beiden, Hanna Sturm, geb. 1891, sich nach einer harten Kindheit in Klingenbach bereits im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts der sozialen Idee verschrieb, als Arbeiterführerin gegen ausbeuterische Betriebe bis hin zur Organisation von Streiks kämpfte und schließlich alle sechs Jahre des zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager verbrachte, war die 1926 geborene und aus Nebersdorf stammende Käthe Sasso, geborene Smudits, noch ein halbes Kind, als die Nazis in Österreich einmarschierten. Als Mitglied der im Widerstand tätigen „Gruppe Gustav Adolf Neustadtl“ wurde sie mit 16 Jahren in Wien inhaftiert, erlebte die Folter der Schergen am eigenen Leib und tägliche Hinrichtungen von Schicksalsgenoss:innen.
Im KZ – Ravensbrück lernte sie schließlich die wesentlich ältere Hanna Sturm kennen, mit dersei sich auf Kroatisch unterhielt und eine lebenslange Freundschaft schloss. Beide Frauen überlebten den Terror. Hanna Sturm verewigte ihre Erinnerungen in dem Buch „Die Lebensgeschichte einer Arbeiterin: vom Burgenland nach Ravensbrück“, während Käthe Sasso im Zeitzeugenprogramm seit den Neunzigerjahren unzählige Veranstaltungen und Vorträge bis zum heutigen Tag absolviert. Für die Veranstaltung „Hanna und Käthe“ wurde ein über zweistündiges Interview mit der mittlerweile 92jährigen aufgezeichnet.
Aus diesem und weitern Materialien über Käthe Sasso sowie aus dem Material des Buches des auf Kroatisch geführten Interviews von Franjo Bauer mit Hanna Sturm haben Joško Vlasich und Peter Wagner eine Erzählung über die beiden bemerkenswerten Frauen entwickelt, die filmisch, musikalisch und verbal aufbereitet, den Bogen über ein gutes Jahrhundert Zeitgeschichte spannt.
Musik: Marco Blascetta, Justin Kodnar, Nikola Zeichmann
Lesende: Claudia Fellinger, Andrea Kerstinger, Konstantin Vlasich, Joško Vlasich
Recherche, Präsentationsvorbereitung, Dramaturgie: Joško Vlasich, Peter Wagner
Live-Technik: Valentin Reumann, Kristijan Karall
Kameras Interview Käthe Sasso und Live Performance: Thomas Eitel
Tonaufzeichnung Live Interview Käthe Sasso: Valentin Reumann
Interview Hanna Sturm aus dem Jahr 1980/81: Franjo Bauer
Schnitt: Hannah Glockenspiel
DVD Einrichtung: Max Leimstättner
Cover-Layout: RABOLD UND CO.
Regie: Peter Wagner
Ein spezieller Dank an: Franjo Bauer, Elisabeth Brandner, Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes-DÖW, ORF Burgenland-Hrvatska redakcija, Promedia-Verlag, RTV Zagreb – Jasminka Domaš